Seife sieden - Grundrezept

In einer Zeitschrift habe ich (ich glaube, dass war im Jahre 2001) einen Bericht über das Seife sieden gelesen. Und, ich weiß nicht genau warum, das wollte ich unbedingt ausprobieren. Umsichtig wie Herr sprobbele war und immer noch ist, habe ich ein tolles Buch zu diesem Thema zum Geburtstag bekommen. Da ich im Herbst Geburtstag habe, hatte ich bis Weihnachten ausreichend Zeit um viele Rezepte auszuprobieren und tolle Seifen an alle meine Lieben zu verschenken. Die Beschaffung der einzelnen Zutaten war nicht ganz so einfach, da ich im Internet noch nicht so aktiv war. Und einen Stoff wie Natronlauge gab es nicht so wie früher in den Drogeriemärkten zu kaufen. Die Natronlauge habe ich tatsächlich über den Vertreter eines Chemiekonzerns erworben, wobei die Übergabe auf einem Parkplatz zwischen zweien seiner Großkunden statt fand.

Wenn ich da schon gewußt hätte, dass es gerade in Freiburg noch eine Drogerie gab, die diesen Namen im traditionellen Sinn verdient hat, hätte ich es etwas einfacher gehabt. Dort habe ich, nachdem die ersten 10kg aufgebraucht waren, morgens angerufen und nach 10kg NAOH gefragt, die in der Regel im Lager zur Abholung bereit standen.

Leider hat diese Drogerie vor ein paar Jahren eben diese Abteilung geschlossen, weil es niemanden mehr gab, der sich mit all den  Mittelchen auskannte, die es dort gab. Schade, also dann doch übers Internet. Und das ist ja kein Problem mehr.

Ja, ich glaube, das Einkaufen der Zutaten war für mich und meine ersten Seifen das größte Problem. Und ich habe mächtig viel Geld in der Apotheke gelassen, für ätherische Öle vor allem, aber auch für andere Zutaten.

Aber ganz ehrlich: es hat sich durchaus gelohnt, denn die Freude bei den Beschenkten war unbezahlbar.

Und meine Begeisterung beim Arbeiten mit all diesen wunderbaren Zutaten erfüllt mich immer wieder mit großer Freude. Ganz besonders finde ich den Augenblick, wenn ich die Seife aus der Form hole und dann noch einmal, wenn die Seife ausgereift ist.

Lass dich nicht abschrecken von der Natronlauge oder dem Aufwand, probiere es einfach mal aus.

Material & Zutaten

Material:

  • alte Handtücher, Wachstischdecke
  • Schwämme & Spüllappen
  • Gummihandschuhe/Einweghandschuhe
  • alte Kleidung/Kittel/Schürze
  • Schutzbrille
  • Atemschutzmaske
  • Edelstahltopf, groß
  • Digitalwaage
  • Messbecher aus Kunststoff
  • Schöpfkelle aus rostfreiem Stahl
  • Käsereibe
  • scharfes Messer
  • Messlöffel 1-20ml
  • Pipette
  • kochfestes Einmachglas, z.B. Weck (mindestens 1l Fassungsvermögen)
  • 2 Joghurt-/ Zuckerthermometer bis 100°C
  • Plastik- oder Glasspatel mit Silikonschaber
  • diverse Plastikbehälter dienen als Formen, z.B. Joghurt, Frischkäse, etc. oder Silikonformen oder Seifenformen
  • Schneebesen
  • Stabmixer
  • Frischhaltefolie
  • Tablett oder altes Brett um die gefüllten Seifenformen zu transportieren.

Zutaten:

Für eine einfache Seife benötigst du nur Fette & Öle, Wasser und Natriumhydroxid (NAOH). Alle weiteren Zutaten sind optional, je nach Rezept und Wunsch. Bei der Zusammenstellung eines Seifenrezeptes sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist es, sich an das empfohlenn Mengenverhältnis der einzelnen Zutaten zu halten.

  • Öle & Fette
  • Wasser
  • Natriumhydroxid (NAOH)
  • Folgende Zutaten sind optional und natürlich gibt es noch viel mehr, die du dann den entsprechenden Rezepten entnehmen kannst:
  • Bienenwachs
  • getrocknete Blüten & Blätter
  • Tonerden
  • Gewürze
  • kosmetische Farbpigmente (bei fertigen Seifenfarben darauf zu achten, dass diese nicht nur für Glycerinseifen gedacht ist, sondern der NAOH stand hält)  > färben
  • Titandioxid > hellt die Seifenmasse mit hellen Fetten auf > Farben werden intensver
  • ätherische Öle oder Parfümöle für kosmetische Zwecke > Duft
  • Mandeln, Haselnüsse, Olivenstein gemahlen, Bimsstein gemahlen > Peeling

Arbeitsplatz vorbereiten

  • Räume deinen Arbeitsplatz frei und decke ihn mit Zeitungspapier oder einer alten Wachstischdecke ab.
  • Ziehe einen alten Kittel/ eine alte Schürze über.
  • Binde lange Haare zu einem Zopf.
  • Unflexible Formen kannst du mit etwas Öl einpinseln.
  • Lege alle Arbeitsgeräte, Zutaten, Rezept und Anleitung bereit.
  • Ziehe nun Handschuhe an und setze den Mundschutz auf.
  • Setze die Schutzbrille auf und nimm sie erst wieder ab, wenn der Seifenleim in die Form gefüllt ist.
  • Öffne beim ANrühren der Lauge das Fenster.

So geht es

  • Stelle alle Zutaten und Gerätschaften bereit.
  • Wiege die Basisfette und -öle und das Bienenwachs, sofern das Rezept es vorsieht, in einen großen Topf ab.
  • Erhitze sie nun auf kleiner Flamme bis die festen Fette und das Bienenwachs geschmolzen sind, nimm den Topf wieder vom Herd und hänge ein Thermometer hinein.
  • Während Öle und Fette abkühlen, wiegst du das Wasser in das feuerfeste Glas ab, ziehst spätestens jetzt Handschuhe, Schutzbrille und Mundschutz an und wiegst das NAOH in eine Glas- oder Kunststoffschale.
  • Nun gibst du vorsichtig die NAOH in das Wasser und rührst langsam mit einem Glas-/Silikonspatel um bis sich alle NAOH-Perlen aufgelöst haben.
  • Hänge das zweite Thermometer in die Natronlauge und stelle sie zum Abkühlen auf die Seite, wenn möglich auf die Fensterbank nach draußen. Achte darauf, dass niemand, auch keine Tiere, an die Lauge gelangen können.
  • Wiege nun am besten alle weiteren Zutaten ab und stelle sie in der benötigten Reihenfolge bereit.
  • Warte bis Lauge und Öle auf eine Temperatur unter 45°C abgekühlt sind (je kühler, desto schneller verseifen Fette und Natronlauge).
  • Jetzt gießt du vorsichtig die Lauge zu den Fetten (nie umgekehrt) und rührst vorsichtig um bis die Masse sich sichtbar verbindet und der cremig-milchige Seifenleim entsteht. Der Leim ist bereit für weitere Zutaten bzw. die Form, wenn sich Öle/Fette nicht mehr von der Lauge trennen und sich an der Oberfläche absetzen.
  • Bei den ersten Seifen lohnt es sich (meiner Meinung nach) auf den Stabmixer zu verzichten und nur mit dem Schneebesen zu rühren, weil du so ein Gefühl dafü bekommst wie schnell die Seifenmasse andickt und die Form gegossen werden muss. Besonders bei Parfümölen kann das sehr wichtig sein, denn manche Parfümöle führen zum sofortigen Andicken des seifenleims.                                                                             Ich habe die ersten Jahre nur zum Schneebesen gegriffen, weil ich die Phase der Verseifung sehr spannend und auch entspannend finde.
  • In der Regel fügst du jetzt die übrigen Zutaten hinzu, also Farbe, Pigmente, Kräuter, Erden, Peeling und schließlich den Duft.
  • Falls du mehrere kleine Formen befüllen möchtest, stelle die leeren Formen auf ein altes Handtuch auf das Tablett/Brett.
  • Nun kannst du den Seifenleim in die Form gießen, bei kleinen Formen kannst du eine Schöpfkelle verwenden, und den Topf mit einem Teigschaber leeren.
  • Decke die Formen mit Frischhaltefolie ab und wickel sie dann in alte Handtücher/Decken ein.
  • Lass die Formen für mindestens 24 Stunden ruhen.

Arbeitsplatz säubern

  • Behalte Kittel/Schürze und Gummihandschuhe noch an, bis alle Seifenreste entfernt sind, denn die frische Seifenmasse ist alkalisch und kann sowohl die Haut reizen als auch deine Kleidung bleichen. Ich spreche da aus Erfahrung!!!
  • Mit der Küchenrolle kannst du nun alle Gerätschaften so gut wie möglich abwischen.
  • Dann spülst du sie mit viel heißem Wasser, Spülmittel und einem Schwamm/einer Bürste ab.
  • Wisch die Arbeitsfläche mehrmals feucht ab.

Ausformen der Seife

  • Nach ca. 24 Stunden kannst du die Seife aus der Form nehmen. Die Form sollte nicht mehr warm sein und bestenfalls hat sich die Seife schon leicht vom Rand der Form gelöst. Ist das nicht der Fall, warte besser noch ein paar Stunden.
  • Sollte sich die Seife schwer aus einer starren Form ausformen lassen, kannst du sie für ein bis zwei Stunden ins Gefrierfach stellen. Wenn die Seife aber zu lange im Gefrierfach bleibt, kann es sein, dass sie später schmiert.
  • Nach dem Ausformen kannst du die Seife in die gewünschte Stückgröße schneiden.
  • Die Seifenstücke wollen luftig reifen. Lege die Stücke mit etwas Abstand zueinander auf ein altes Handtuch in einen flachen offenen Karton oder auf ein altes Brett und stelle sie in eine nicht zu feuchte, nicht zu warme Umgebung. Setze die Seife nicht der direkten Sonne aus.
  • Nun brauchst du ca. 3-4 Wochen Geduld. Je nach Rezept kann es auch noch länger dauern bis der Verseifungsprozess vollends abgeschlossen ist. Die Seife wird in dieser Zeit milder und der pH-Wert sinkt.
  • Nach einigen Tagen kannst du die Kanten der einzelnen Seifenstücke mit einem Sparschäler glätten. Die Seifenstücke sehen dann schöner aus ud liegen angenehmer in der Hand.
  • Die abgeschälten Seifenspänen kannst du für einen Badezusatz verwenden oder weiter zu einer Schwimmseife verarbeiten.

Seife verpacken

Es gibt mehrere Möglichkeiten Seife zu verpacken:

  • Zellophanpapier/-tüten
  • Seidenpapier
  • Papierbanderole
  • Geschenkkarton